Gelebte Ökumene in Oberrohrbach


Am Ende der Gebetswoche für die Einheit der Christen wurden wir zur Mitgestaltung eines katholischen Gottesdienstes in die neue Oberrohrbacher Kirche eingeladen: Gemeinsam mit Pfarrer Franz Forsthuber und Pfarrer Christian Brost durfte die evangelische Kantorei die Liturgie mitgestalten. Mit großer Offenheit – für die Franz Forsthuber bekannt ist – wurden wir in die große Schar der Feiernden aufgenommen. Ökumene kann auch so einfach sein, und so selbstverständlich.
Wir erfuhren an diesem Abend in Oberrohrbach, dass Gottes Wort katholische und evangelische Christen anspricht, wenn es mit dem Herzen gehört wird.

Vertrauter Rahmen

Der Ablauf des Gottesdienstes war uns nicht fremd. Es gab zwar kein gemeinsames Psalmgebet, aber wir hörten drei Lesungen.
In der Ersten trug der Priester Esra dem Volk Israel das Gesetz Mose vor: „Und die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Buch des Gesetzes gerichtet.“
In der zweiten Lesung verglich Paulus die Gemeinde mit einem Leib, der viele Glieder hat. Ein Bild, das auch für unsere Ökumene passend ist: „Denn in einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden.“
Und schließlich hörten wir, wie Jesus in der Synagoge aus dem Buch des Propheten Jesaja vorliest und schließlich sagt: “Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.“

Die Predigt

In der Predigt verglich Pfarrer Brost die Situation der Geschwis­terkirchen mit der der Emmausjünger. Traurig und enttäuscht gingen die beiden damals nach Emmaus. Sie glaubten, Jesus am Kreuz verloren zu haben. Aber sie hatten einander. Und in diesem Miteinander machten sie die Erfahrung: Jesus ist bei uns.
So verwandelte sich ihre Traurigkeit in neue Hoffnung und sogar Freude. So wirkt Gottes Geist bis heute in und unter uns. Er kann uns verwandeln, uns verklären, aus dem Kreuz ein Symbol der Hoffnung machen.
Das an alle verteilte Bild der beiden Emmausjünger drückt diese Wandlung aus. Die Beiden – manchmal auch wir! – tragen ihr Kreuz. Beim genauen Hinsehen erkennt man aber, dass die beiden selbst vom Kreuz getragen werden. Und dass Jesus ihnen sehr nahe ist, auch wenn sie ihn für machtlos und fern halten.
Der Prediger betonte dann, dass Gott nicht nur Katholiken oder Evangelische liebt. Gott liebt alle seine Kinder. Unsere Abgren­zun­gen, Ausgrenzungen, Vorurteile und unsere selbstsüchtigen Schlecht­ma­che­reien – all das macht Christus nicht mit. In unserem Bemühen, aufeinander zuzugehen, können wir sicher sein, dass Christus bei uns ist. Dann ist es auch möglich, dass Protestanten und Katholiken zu Zeugen der Liebe Gottes werden.

Gemeinsames Abendmahl

Nach dem Abendmahl, zu dem alle eingeladen waren, und dem von beiden Pfarrern gemeinsam gesprochenen Segen waren wir noch zu einer Agape geladen. Bei liebevoll gerichteten Brötchen und verschiedenen Getränken labten wir uns und konnten noch das eine oder andere Gespräch führen.
Ein herzliches Dankeschön an unsere katholischen Geschwister aus Oberrohrbach für ihre Gast­freund­schaft.
Ein inhaltsreicher Gottesdienst, der einen roten Faden erkennen lässt: das Zuhören. Hören auf Gottes Wort – hören auf die Not des anderen – einander zuhören – aufeinander hören – aufeinander zugehen - ein Hören mit dem Herzen.
Das Zuhören ist Vorraussetzung für jeden Dialog.
Irmi Lenius

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